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KIT-Bienen-Tagebuch

Mohn

Hier entsteht unser KIT-Bienen-Tagebuch, welches allerdings nicht als "Lehr-Handbuch" verstanden werden darf, sondern lediglich ein Erfahrungsbericht über unsere individuelle Bienenhaltung am KIT darstellt. Wer nach einer qualifizierten Einweisung in die Grundlagen der Imkerei sucht, wendet sich am besten an die ortsansässigen Bienenzüchterverbände, diese bieten oft Einsteigerkurse für JungimkerInnen an.

Warum haben wir uns für Bienen am KIT eingesetzt?
Honigbienen sind wichtige Bestäuber von insektenblütigen Pflanzen. Sie tragen durch ihre Bestäubungsdienste einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Wir möchten mit der Stadt-Bienenhaltung ein Zeichen gegen das voranschreitende Bienensterben sowie für das Imkern in der Stadt setzen.

Wie genau funktionieren die Bestäubungsdienste der Biene?
Beim Sammeln von Blütennektar und Pollen in und an den Blüten bleiben Pollen im Haarkleid der Bienen haften und werden beim Besuch der nächsten Blüten (der gleichen Pflanzenart) auf deren Narbe übertragen. Diese Pollenübertragung nennt man Bestäubung. Auf diese Weise vereinigen sich das männliche Pollenkorn mit der weiblichen Eizelle und reifen in der Blüte zu Samenkörnern heran. Dies ist der eigentliche Bestäubungsvorgang, durch den der Fortbestand der Pflanze gesichert wird. Da Bienen "blütenstet" und "ortstreu" sind, bleiben sie bei einer ergiebigen Pflanzenart so lange, bis sie verblüht ist. Bienen kommunizieren untereinander durch Rund- und Schwänzeltänze, sie informieren sich so gegenseitig über eine reichhaltige Trachtenquelle und deren Standort.

Wie wir und die Natur davon profitieren:
Meist assoziieren wir mit Bienen in erster Linie nur den Honig. Jedoch hängt ein Drittel unserer Lebensmittel von den Bestäubungsdienste der Bienen, Hummeln und anderer nektarsaugender Insekten ab, rund 80 % aller Wild- und Nutzpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen.

 

KIT-Bienen-Tagebuch:

Im April 2017

Der erste Schritt einer jeden geplanten Bienenhaltung ist die Klärung der Standortfrage. Optimalerweise sollte der Standort nicht öffentlich zugänglich sein, um die Bienen und Beuten vor Vandalismus zu schützen. Rechtliche Grundsatzfragen zur baurechtlichen Begehbarkeit von z.B. Dächern sind zu klären, denn gerade Dächer stellen im Stadtgebiet einen sehr beliebten Standort für Bienenbeuten dar. Wasser sollte sich in der Nähe befinden, oder man sorgt für Bienentränken am Standort, z.B. in Form einer flachen Wasserschale mit einer schwimmenden Korkinsel, damit die Bienen nicht ertrinken. Wir hatten Glück und fanden auf dem Audimax-Dach, im Herzen des KIT Campus-Süd, einen optimalen Standort mit Dachbegrünung.

Unser Audimax-Standort erfüllt glücklicherweise die wichtigsten Ansprüche: 1. Das Dach ist von einer hohen Mauer umgeben und bietet so einen guten Wetterschutz, außerdem ist die Begehung durch den Imker und die Helfer unbedenklich. 2. Das Dach ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und schützt somit die Bienen auch vor Vandalismus, der leider häufig vorkommt. 3. Die Bodenfläche ist begrünt und somit reflektiert der Untergrund Hitze sehr viel geringer als z.B. Asphalt oder Beton. 

 

Als nächste Überlegung steht die Wahl eines Bienen-Beuten-Systems an. Hier gibt es im Fachhandel viele verschiedene Varianten, Informationen darüber finden sich im Internet, in Fachbüchern oder im Rahmen eines Bienenzüchterkurses. Wir haben uns für die 12er Beute nach Dr. Liebig entschieden. Das Holz der Beuten muss vor dem Einzug der Bienen behandelt werden, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen. Wir haben uns für das Naturprodukt Leinölfirniss entschieden. Nach 2 Anstrichen im Abstand von einem Tag konnten die Beuten zusammengebaut und von den Bienen endlich bezogen werden!

 Unser hoch-motivierter Bienen-HiWi!

Am 08. April 2017 war es endlich soweit: 3 Bienenvölker bezogen ihren neuen Standort am KIT! Das Tragen der typischen Imker-Schutzkleidung ist durchaus sinnvoll, um sich vor ungewollten Bienenstichen zu schützen. Jedoch waren unserer Bienen sehr "brav", trotz der Aufregung durch den Transport und die neue Umgebung.
Unser Profi-Hobby-Imker, schon seit Kindheitstagen mit Bienen und Honiggewinnung vertraut, ist hier im Hintergrund beim Einräuchern der Bienen zu sehen.

 

Die Bienen sind bereits kräftig am Ausschwärmen und Sammeln. Was genau sie sammeln und in den Vorratswaben einlagern, wird eine kleine Überraschung werden ... (Auflösung im Monat Juni)

 Das Beweisfoto: Unsere Bienen sind handzahm! :-)

 

 

 

Im Mai 2017

 

Der Monat Mai steht ganz im Zeichen der Tracht. Was bedeutet Tracht? Unter Tracht ist die Honigmenge zu verstehen, welche die Honigbienen in den heimischen Bienenstock eintragen (Vorratswaben) und nicht selbst verbrauchen, so dass dieser Anteil durch den Imker geerntet werden kann. In dieser Phase wollten wir die Bienen natürlich auch nicht unnötig stören :-) Für eine gute Tracht ist das Wetter u.a. maßgeblich, bei häufigem Regen fliegen die Bienen nicht gerne aus und sammeln entsprechend weniger Blütennektar. Der diesjährige späte Frost hat z.B. viele Obstbaumblüten geschädigt, auch dies beeinflusst die Tracht.

Am KIT Campus Süd finden die Bienen viele Blüten, die spannende Frage ist, für welche Trachtpflanzen (Bienenweide) werden sie sich beim Sammeln entscheiden? Da Bienen 'blütenstet' und 'ortstreu' sind, bleiben sie einer Trachtquelle treu, bis diese ausgeschöpft ist.

 

Es herrscht rege Betriebsamkeit bei unseren 3 KIT-Völkern, im Vordergrund fliegt eine fleißige Sammelbienen dicht an der Kameralinse vorbei  ...

 

 Hier lässt sich deutlich erkennen, wie die Bienen den Honig in den Waben einlagern ...

 

 ... und danach die Waben mit einem Wachsdeckel verschließen, dies nennt der Imker in der Fachsprache "verdeckeln".

So sitzen die einzelnen Rahmen, die der Imker zuvor mit fertigen Wachswaben ausgestattet hatte, in der Beute und werden von den Bienen mit Honig gefüllt und verdeckelt.

 

 Über solch eine dicht besetzte "Bilderbuchwabe" freut sich jeder Imker!

 

Im Juni 2017

Nun beginnen auch die Dachstauden, also Sedum- und Sempervivium-Pflanzen, auf dem Audimax zu blühen.
 
Der mit Spannung erwartete Tag ist gekommen: Wir bereiten die erste "Frühjahrs-Tracht", also Honigernte, vor. Zuerst heizt der Imker seinen Smoker an, durch den Rauch werden die Bienen beruhigt und greifen uns "Honigdiebe" dann tatsächlich auch nicht an ...
 
Der Deckel des Bienenstocks wurde abgenommen, darunter befinden sich die Rahmen mit Waben, deren Inhalt geerntet wird. Die Bienen waren fleißig und haben über die Rahmen hinaus neue Wachswaben gebaut, dies zeigt dem Imker u.a., dass es sich um ein aktives und starkes Bienenvolk handelt.
Vorsichtig werden die Bienen in einer speziellen Vorrichtung von den einzelnen Rahmen abgestreift, ohne dass die Bienen dabei Schaden nehmen.
So sieht die zur Mitnahme vorbereitete Wabe aus. Die Bienen haben Ihre Honigvorräte gut sichtbar mit Honigwachs "verdeckelt".
Hier werden die Rahmen für den Transport eingepackt.
Die zuvor abgestreiften Bienen finden sofort zurück in ihren Heimat-Bienenstock
Zuhause angekommen "entdeckelt" der Imker zuerst die mitgebrachten Waben, d.h., er entfernt mit einer Entdeckelungsgabel das Wachs, aus dem später z.B. duftende Bienenwachskerzen gefertigt werden können
Die Rahmen sind nun in eine Honigschleuder eingesetzt worden und los geht's: Durch Zentrifugieren werden Waben und Honig voneinander getrennt, der Honig läuft ab und kann in Gläser abgefüllt werden. Zu unser aller Überraschung entpuppte sich der geschleuderte Honig als Waldhonig, die Bienen waren also in den angrenzenden Hardtwald ausgeschwärmt und hatten dort ihre Bienenweide der Frühjahrssaison 2017 gefunden!
Die erste Honigverkostung, hier mit Vizepräsident Pröf. Wanner, fand anlässlich der Einweihung des KIT-Campus Garten statt. Der feinwürzige Waldhonig unserer KIT-Bienen fand großen Zuspruch unter den Gästen und wurde geschmacklich sehr positiv bewertet!

 

Im Juli 2017

 

Nach der ersten Tracht (Honigernte) im Juni geht es nun im Juli für Bienen und Imker etwas ruhiger zu. Ein guter Zeitpunkt also, sich ein paar Gedanken rund um das Thema Insekten und deren existentielle Bedeutung für Mensch und Umwelt zu machen.

Rede zum Thema Biodiversität von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, im Landtag am 21 Juni 2017

Kurz zusammengefasst: Für ca. 80 % unserer Nutz- und Wildpflanzen benötigen wir die Bestäubungsdienste der Insekten. Rund 1/3 unserer Nahrungsmittel würden von unserem Teller verschwinden ohne Insektenbestäubung. Viele Tierarten ernähren sich von Insekten, wie z.B. Vögel, deren Fortbestehen davon abhängt.

Aber leider ist das drastische Bienen- und Insektensterben, weltweit und direkt vor unserer Haustür, zur äußerst beunruhigenden Tatsache geworden!

Gründe hierfür sind in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide, Monokulturen, die sich als ökologische Wüsten erweisen, die fortschreitende Zerstörung natürlicher Lebensräume und Nahrungsquellen der Wildbestäuber und nicht zuletzt die Tatsache, dass sich immer weniger Menschen dem hobbymäßigen Imkern widmen.

Was können wir tun, was kann jeder einzelne von uns konkret zur Unterstützung der Insekten beitragen? Jede einzelne noch so kleine Maßnahme bildet einen wichtigen Baustein zu einem Netz der ökologischen Vielfalt!

- Pflanzen Sie doch einfach verschiedene Kräutersorten auf Ihrem Balkon oder Fensterbrett, deren Blüten stellen eine sehr ergiebige und bei Insekten beliebte Nektarquelle dar

- In jedem Hausgarten sollten Wildstauden und nektarspendende Blüten einen Teil der Bepflanzung ausmachen. Sie als Gartenbesitzer werden durch den Besuch von Vögeln, Insekten und Schmetterlingen belohnt, die Ihren Garten lebendig werden lassen ...

- Integrieren Sie eine Trockenmauer in den Garten, wenn die Möglichkeit dazu besteht. Trockenmauern bieten wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Z.B. Wildbienen, Insekten, Eidechsen, Erd- und Wechselkröten können sich dort ansiedeln.

- Insektenhotels können selbst gebaut oder über viele Umweltorganisationen bezogen werden. Aber Achtung: Nicht jedes Insektenhotel ist sinnvoll ausgestattet, vorher unbedingt ein wenig Zeit in entsprechende Literatur investieren. Z.B.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND (2015). Vielfalt sorgt für Vielfalt - Einfache Bauanleitungen für Wildbienen-Nisthilfen

- Insekten benötigen schon früh im Jahr Blütennektar als Nahrungsquelle, dafür eignen sich u.a. die optisch sehr ansprechenden frühblühenden Blumenzwiebelmischungen

- Kultivieren Sie auch wieder die alten Obst- und Gemüsesorten

- Sofern Sie über einen geeigneten Standort verfügen, werden Sie selbst Hobby- bzw. Stadtimker! Viele Imkerverbände bieten dazu Einsteigerkurse an

- Sie besitzen keinen eigenen Garten oder Balkon? Dann schließen Sie sich doch einem offenen Gemeinschaftsgartenprojekt zum kollektiven Gärtnern an

- Oder werfen Sie hin und wieder, natürlich unter Beachtung rechtlicher Vorgaben :-), eine Saatbombe aus und säen Sie so eine kleine, blühende Miniwiese 

 

Wenn jeder Landwirt und jeder Gartenbesitzer so wie auf diesem Foto einen kleinen Teil der bewirtschafteten Fläche mit Wildblumen einsäen würde, hätten Bienen und andere Insekten keine Sorgen mehr!! Und unsere Kulturlandschaften bekämen ihre Farben zurück ...
 
Ein Beispiel für einen lebendigen Garten mit blühenden Kräutern und Stauden, die gerne von Insekten, Schmetterlingen und Vögeln besucht werden
 
 Nicht-gefüllte Blüten ermöglichen den Insekten den Zugang zu Nektar und Pollen
 
Blühende Kräuter stellen eine sehr beliebte und ergiebige Bienenweide dar
Auch Zierpflanzen, hier eine duftende Geranie, können unter dem Aspekt der "Insektenfreundlichkeit", ausgewählt werden.
Der naturnahe Garten verändert sich im Wandel der Jahreszeiten und bietet immer wieder neue Nahrungsangebote durch wechselnde Blüten
Eine von vielen Wildbienenarten besucht die Blüten des Borretsch

Auch Schmetterlinge werden vom duftenden und nektarspendenden Sommerflieder angezogen und bereichern das Erscheinungsbild und die Artenvielfalt des Gartens

 

Im August 2017

 

 
Es wird schon etwas ruhiger im Bienenstock, unsere Bienen waren aber trotzdem noch fleißig: Wir konnten am 15. August noch eine kleine, aber feine Sommertracht "Wald und Wiese" einbringen
 
Der eingelagerte Honig war in der Farbe teils heller, teils dunkler, woraus wir schließen, dass die Bienen an unterschiedlichen Bienenweiden gesammelt haben, vom Honigtau über Blütennektar ...